Was bedeutet dir Freundschaftt?

Am zweiten Weihnachtsfeiertag besucht man sich gegenseitig, spricht Einladungen aus und frönt weiterhin den Genüssen, die die Weihnachtszeit mit sich bringt. Nach der Stille und der Einkehr der ersten beiden Raunächte, öffnet uns diese Raunacht wieder ein wenig anderen Menschen. Wir haben deutlicher das Bedürfnis uns mitzuteilen und wieder Kontakt aufzunehmen.

Vielleicht merken wir an dieser Stelle, wie schwer uns nach der intensiven Erfahrung von Innerlichkeit ist, genau dies zu tun: uns mitzuteilen, andere teilhaben zu lassen, was uns widerfahren ist. Vielleicht merken wir, dass inneres Erleben sich nicht so einfach in Worte fassen lässt und dass wir möglicherweise sogar Angst davor haben, uns anderen gegenüber zu öffnen, uns zu offenbaren.

Der Apostel Johannes, dem dieser Tag heilig ist, ist der Apostel der Freundschaft. Vielleicht erinnert er uns daran, woran wir eigentlich festmachen, mit jemandem wirklich befreundet zu sein. Diese Fragen passen zu dieser Raunacht:

  • Wen nenne ich einen Freund – und warum?
  • Woran merke ich, dass ein anderer Mensch meine Freundschaft genießt und ich seine?
  • Welche Ansprüche stelle ich an Freunde – und wo überfordere ich sie teilweise damit?
  • Was tue ich dafür, dass Freundschaft entsteht und bleibt?
  • Wie viel von mir zeige ich in meinen Freundschaften?

Johannes, Schutzpatron der Freundschaft

raunacht-03-2014-2Der Apostel Johannes, dem dieser Tag gewidmet ist, galt als Lieblingsjünger Jesu. Er soll auch das Johannes-Evangelium verfasst haben, jenes Buch, das mit den geheimnisvollen Worten beginnt:

“Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.”

Darum bekam er auch den Adler als Symbol, denn das Wort steigt höher als die anderen und schwingt sich in die höchsten Regionen auf, so wie ein Adler sich zur Sonne erhebt.

Seine besondere Treue und Hingabe an Jesus machte ihn zum Schutzpatron der Erhaltung aller Freundschaft. Beim letzten Abendmahl lehnte er an der Brust des Herrn, er war bei Jesu Verklärung am Berg Tabor dabei, begleitete Jesus auf den Ölberg und ging mit ihm bis zum Kreuz, wo ihm Jesus seine Mutter als Mutter für uns alle schenkte:

„Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“

Sein Attribut ist in der Ikonographie neben dem Adler oft auch ein Kelch, aus dem sich ein Drache oder eine Schlange herauswindet. Dies geht auf die Legende zurück, dass er als Beweis für die Macht seines Gottes Gift trinken solle. Johannes schlug über den Giftbecher das Kreuzzeichen – und das Gift entwich in Gestalt einer Schlange. Johannes trank den Bescher leer und nicht geschah ihm.

Am Johannestag wird der nach ihm benannte Wein, die Johannesminne, geweiht. Diesen reicht der Priester der Gemeinde, die mit ihm die Liebe Johannes’ kosten darf und damit vor Krankheiten und Gefahren geschützt wird.

Die sich herzenden Münchner Kindl sind in der Dauerausstellung des Münchner Stadtmuseum zu entdecken. Der Adler des Evangelisten Johannes auf der Kanzel in Sankt Peter.

Noch mehr Raunächte: