Der brüllende Löwe auf dem Oktoberfest

„Löööwenbrääuuu“ tönt es mit grollender, blecherner Stimme aus dem Maul des Löwen am Haupteingang zum Löwenbräu Festzelt. Er hockt auf den Hinterbeinen, bleckt die Zähne, die Zunge hängt ihm gierig aus dem Maul. Denn in seiner Pranke hält er eine Maß mit schäumendem Löwenbräu-Bier, das er sich gleich ruckartig zuführen wird.

Warum ist ein Löwe der Namensgeber der ehemals größten Brauerei Münchens?

Daniel in der Löwengrube

Wer Tatort schaut, kennt es: Das Polizeipräsidium an der Löwengrube, zwischen der Frauenkirche und der Michaelskirche. Batic und Leitmayr schreiten in der Serie oft geschäftig und mit hallenden Schritten durch das Gebäude.

Noch im Jahr 1725 befand sich am Gebäude schräg gegenüber ein auffälliges Fresko, das die biblische Szene aus dem Alten Testament „Daniel in der Löwengrube“ darstellte:

Daniel stammte aus dem israelischen Stamm Juda. Als Jerusalem durch die Babylonier erobert wurde, nahmen Kämpfer Daniel als Sklaven gefangen. Daniel fiel bald durch seine außerordentliche Klugheit auf, so stellte ihn König Darius in seine persönlichen Dienste. Schließlich ernannte er ihn zu einem seiner höchsten Staatsdiener. Die anderen Ratgeber des Königs wurden bald neidisch auf die bevorzugte Stellung Daniels und wollten ihn loswerden.

Das Löwenwunder

Sie hatten beobachtet, wie Daniel dreimal täglich zu seinem Gott betete. Sie schlugen dem unwissenden König vor, ein Gesetz zu erlassen, das jedem Bewohner Babyloniens vorschrieb, nur einmal am Tag zu beten. Ahnungslos unterschrieb der König. Als Daniel wieder mehrmals täglich seine Gebete sprach, wurde er wegen Verstoßes gegen das neue Gesetz verhaftet und zur Strafe in eine Grube voller Löwen geworfen. Als die Neidischen am nächsten Tag nach seinen Überresten sehen wollten, sahen sie Unglaubliches: Daniel hatte die Nacht vollkommen unversehrt überlebt. Er erklärte, dass die Engel seines Herrn den Löwen das Maul zugehalten und ihn so vor den wilden Tieren Schutz gewährt hatten. König Darius erließ daraufhin ein neues Gesetz: Alle hatten von nun an Daniels Gott zu ehren.

(Die Darstellung der Szene als Relief stammt übrigens vom Alten Nördlichen Friedhof.)

Bier aus der Löwengrube

Warum dieses Gebäude mit diesem Fresko verziert war, ist heute nicht mehr klar. Was wollte der Besitzer des Hauses damit ausdrücken? Doch das Bild musste die Menschen nachhaltig beeindruckt haben, denn bald nannten sie die ganze Straße “Löwengrube”. Und so ist es bis heute geblieben. Ab 1524 wird erstmals ein Bierbrauer in der Löwengrube 17 erwähnt. 1746 erscheint zum ersten Mal der Name “Löwenbräu”, das ab 1818 sogar zur größten Brauerei Münchens aufstieg. 1827 wurden die Verhältnisse in der Münchner Altstadt zu beengt und die Brauerei zog an die Nymphenburger Straße. 1950 brüllte der mechanische Löwe zum ersten Mal auf der Wiesn.

So kommst du in die Löwengrube