Es wird warm in München. Auf den Stufen der Feldherrnhalle am Odeonsplatz wird es wieder voller, junge Leute setzen sich mit ihrem Eis oder Coffee-to-go nieder, plaudern, blicken auf die zur Renovierung verhüllte Theatinerkirche oder auf den Eingang des Hofgartens. Heute haben Straßenmusiker gar einen Flügel dorthin transportiert, auf dem ein sommerlich gekleideter Pianist fröhliche Töne in die Sommerluft schickt. Doch blicken die Sitzenden auch nach links und rechts, zu den beiden Steinlöwen, die wachsam an den Seiten der Feldherrnhalle stehen?

Der bayerische und der preußische Löwe

Die Feldherrnhalle wurde zwischen 1841 und 1844 im Auftrag von König Ludwig I errichtet. Der bayerischen Armee und ihren siegreichen Feldherren sollte damit ein Denkmal gesetzt werden. Das architektonische Vorbild ist die „Loggia die Lanzi“ in Florenz. Zusammen mit der Theatinerkirche im italienischen Spätbarock und dem berühmten Restaurant „Tambosi“ schafft die Feldherrnhalle das südländische, italienische Flair dieses Platzes. Sitzt man auf den sonnenwarmen Stufen und blickt nach links, erkennt man, dass jener Löwe sein Maul geschlossen hält. Ich drehe meinen Kopf nach rechts: Das Maul dieses Löwen steht leicht offen. Man erzählt sich augenzwinkernd, dass der Löwe mit geschlossenem Maul bayerischen Ursprungs sei, der rechte preußischen: Damit soll auf die Gesprächigkeit oder gar Geschwätzigkeit der Norddeutschen, im Gegensatz zum eher wortkargen Bayer, angespielt werden. 

Die Feldherrnhalle in der Zeit des Nationalsozialismus

Tatsächlich stehen die imposanten Löwen schützend an der Seite zweier wichtiger Figuren der bayerischen Militärgeschichte, die aus eingeschmolzenen Kanonen besiegter Heere gegossen wurden: Feldherr Graf Tilly, oberster Feldführer im Dreißigjährigen Krieg, und Fürst Wrede, bayerischer Generalfeldmarschall.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Feldherrnhalle ein gefeierter Ort der „Bewegung“. Wegen des gescheiterten Putsches am 9. November im Jahr 1923 wurden dort jährliche Propaganda-Märsche abgehalten. Vor einer daher errichteten Gedenktafel an der Ostseite der Feldherrnhalle, mussten die Leute, unter angedrohter Strafe, einen Hitlergruß verrichten. Wer sich dem unauffällig entziehen wollte, ging durch die Viscardigasse hinter der Feldherrnhalle, die daher „Drückerbergergasserl“ genannt wurde.

Ein junges Mädchen klettert an dem „preußischen“ Löwen herum, dirigiert ihren untenstehenden Freund, wie er sich für ein optimales Foto platzieren soll. Ich verlasse die Halle, die sich mehr und mehr mit Schattensuchenden füllt. Bevor ich die vier bronzenen Löwen vor der Residenz ansteure, blicke ich mich noch einmal um, und stelle mir vor, wie die steinernen Löwen schon hier standen, mit genau jenem Blick, an jenem 9. November 1923.

Der Löwenort: Die Löwen an der Feldherrnhalle

Die Feldherrnhalle schließt den Odeonsplatz an der Südseite ab.