Wie ist Heinrich der Löwe, Münchens Gründungsvater, zu seinem Beinamen gekommen? Durch seine Abstammung vom Geschlecht der Welfen und der Namensverwandtschaft der „Welfen“, wie zu damaliger Zeit Löwenjungen genannt wurden? Durch den dem Löwen, dem König der Tiere nachgesagten und ihm ebenso innewohnenden Eigenschaften wie Mut, Stärke und Kraft? Beides scheint plausibel. Doch die Münchner erzählen sich noch eine legendäre Geschichte, in der der Löwe zu Heinrichs Gefährten und daher seinem Namensgeber wird:

Heinrichs Kampf gegen den Drachen

Der junge Heinrich soll kühn und abenteuerlustig gewesen sein. Ständig zog es ihn in die Weite, in Wälder und Haine, überall hin, wo auszustehende Kämpfe und zu erlebende Abenteuer auf ihn warten könnten. Als er eines Morgens durch einen abgelegenen Wald spazierte, sollte er in ein Abenteuer verwickelt werden, das sein Leben der Legende nach verändern sollte. Aus einer Lichtung hörte er ohrenbetäubendes Gebrüll. Sofort folgte Heinrich dem Lärm – und was sah er? Einen riesigen, furchteinflößenden Drachen, der mit einem Löwen kämpfte. Der Löwe war bereits schwer verwundet, Blut troff aus tiefen Wunden, die einst goldene Mähne war vom Feueratem des wütenden Drachens versengt. Auch der Drache zeigte Verletzungen, die ihm der Löwe mit seinen starken Pranken und den spitzen Zähnen zugefügt hatte.

Der Löwe steht für das Gute, der Drache für das Böse

Wem sollte Heinrich zu Hilfe eilen? Dem Löwen oder dem Drachen? Heinrich zögerte nicht lange, todesmutig zückte er sein Schwert und rannte mit Kampfgeschrei auf den Drachen zu. Er rammte ihm sein kostbares Schwert tief in die Brust. Keuchend brach der Drache zusammen, stieß noch einen letzten sterbenden Feuerstoß aus und war besiegt. Der Löwe, dankbar für seine Rettung, soll Heinrich seit diesem Tage nicht mehr von der Seite gewichen sein. Und Heinrich, der seither nur mehr zusammen mit seinem treuen Begleiter gesehen wurde, nannte man „Heinrich der Löwe“.

lowen-caf-8Symbolisch betrachtet steht der Löwe für das Helle, Lichte und damit für das Gute; der Drache immer für das zu Bezwingende, das Böse. Der Kern dieser Sage lautet demnach, dass Heinrich sich gegen das Böse gestellt und für das Gute entschieden hat. Dieser Sieg des Guten gegen das Böse, dargestellt mit Löwen und Drachen, findet man auch an so manchen Toren oder Fassaden.

Der Löwenort: Löwe am Neuen Rathaus

Ein schöner Löwe schützt das Rathaus an seiner Westseite – wenige Schritte hinter dem Drachen vom Wurmeck.