Da Marias Leib nach ihrem Tod in den Himmel aufgenommen wurde, gibt es keine Reliquien ihres Körpers. Den angefertigten lebensechten Gemälden und Statuen der Gottesmutter sprach man daher dieselbe Kraft und Wirkung zu, die eigentlich den Reliquien vorenthalten waren.

Zwiegespräch mit der Gottesmutter

In manchen Kunstwerken wurden Hostien verborgen, um die Qualität zu heben und den Darstellungen etwas Heiliges einzuverleiben. Die Abbildungen sollten so real wirken, dass ihre Betrachter in eine intime Zwiesprache mit der Gottesmutter tauchen konnten.

Das Wunder von München

Einigen Marienbildern sagt man dabei wundersame Kräfte zu: Die Betenden sollen sich plötzlich vom Blick der Gottesmutter fokussiert gefühlt haben! Der Betende, der sein Herz der Gottesmutter öffnet, soll ihren Blick auf sich spüren, als Zeichen, dass sein Bitten erhört wurde. Solche Unerklärlichkeiten wurden auch bei der Marienfigur im Nordturm der Frauenkirche berichtet und als „Wunder von München“ bezeichnet.

Die Königin des Himmels blickt auf die Betenden

Ich stehe vor dem imposanten Abbild, richte meinen Blick zu Maria und vertiefe mich in ihren Anblick. Zwei spitzflügelige Engel schweben über Maria, dargestellt als Himmelskönigin mit Krone und goldenem Schutzmantel. Ihr langes braunes Haar wallt in weichen Locken an ihrem Mantel hinab, in ihren linken Arm schmiegt sich das Christuskind. Ihre Augen wirken leicht zugekniffen, der Blick scheint nach rechts unten zu fallen.

Eine friedliche Stimmung umgibt mich

Heute öffnet sie ihren Blick nicht für mich, doch es fällt mir auch schwer, meine Gedanken und vielleicht Gebete zuzulassen, ohne von Erinnerungen an Pflichten des Alltags unterbrochen zu werden. Ich werde, mit mehr Zeit und Muße, an diesen ruhigen Ort zurückkehren, der eine so eigenartig friedliche Stimmung verströmt, die ich noch lange nachspüren kann.

Der Marienort: Die Wundermadonna in der Frauenkirche

Die Wundermadonna ist Teil des Tulbeck-Altars in der Kapelle im Nordturm der Frauenkirche.