Wie geht es deinem inneren Kind?

Die offiziellen Feiertage sind vorüber.

An diesem Tag gedenken die Christen der Ermordung tausender unschuldiger Kinder auf Geheiß des Herodes, der Angst vor dem neuen König hatte, welcher ihm prophezeit worden war und der dereinst größer sein würde als er selbst.

Vielleicht ist diese Geschichte eine Allegorie auf die Kräfte in uns, die angesichts des Neuen noch mit aller Gewalt versuchen, das Alte aufrechtzuerhalten. Solche Widerstände gegen Veränderungen erlebt jeder von uns immer wieder, selbst wenn wir wissen, dass das Neue sich nicht aufhalten lässt. Wir spüren vielleicht, dass wir die alte Situation verlassen wollen, aber wir finden nicht die Kraft aufzubrechen.

Hier kommt das innere Kind ins Spiel. In ihm finden wir einen der besten Verbündeten gegen die Stimmen der Vernunft, die uns immer wieder weismachen wollen, dass dieses oder jenes, was wir uns vorgenommen haben, zum Scheitern verurteilt sei. Wenn wir mit unserem inneren Kind in Beziehung stehen, dann verblassen Vernunftgründe und wir sind wieder in Berührung mit dem, was uns im Leben wirklich motiviert. Es ist eine Kraft, die das scheinbar Unmögliche möglich machen kann, wenn wir ihr Vertrauen.

Fragen, die wir uns stellen können an diesem Tag:

  • Welche Ausreden kommen mir spontan in den Sinn, wenn ich merke, dass Veränderung ansteht?
  • Angenommen, ich würde meine Wünsche bereits erfüllt haben, was würde ich dann diesen inneren Stimmen entgegnen?
  • Was würde mein inneres Kind dazu sagen?
  • Was kann ich tun, um meinem inneren Kind mehr Gehör zu verschaffen?

Die unschuldigen Kinder

Ob es den Mord an den unschuldigen Kindern gegeben hat, ist historisch gesehen zweifelhaft. Als Geschichte hat er jedoch großen Eindruck hinterlassen und zu Ehren der kindlichen Märtyrer am 28.12. ein Fest gefeiert. Dieses Fest hielt sich, trotz eines Verbotes durch das 6. Vatikanische Konzil, bis ins Mittelalter hinein. Dieses Verbot lässt vermuten, dass dieses Fest Züge trug, die nicht-christliche Bräuche umfasste. So heißt es, dass es mit Spielen begangen wurde, die an orientalische Narrenfeste erinnern, bei denen ein Narrenkönig gekürt wurde, oder an die römischen Saturnalien, ein Fest, das mit Mummenschanz und Verkleidung vonstatten ging und von Chaos und Ekstase geprägt war.

Im 11. Jahrhundert fand dieses Fest Eingang ins europäische Abendland. Nun bestand das Spiel darin, dass oft der jüngste Schüler an den Kloster- und Domschulen zum Kinderbischof gewählt wurde, für den, ausstaffiert mit mit Mitra und Stab, ein pompöses Fest und ein Umzug organisiert wurde. Manchmal hielt der Kinderbischof sogar regelrechte Messern ab, ganz gemäß Psalm 8,2:

Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen, o Gott, verschaffst du dir Lob, Deinen Feinden zum Trotz.

Mit der Reformation war es dann aber bald vorbei mit dieser Tradition. Aus diesem Brauch entwickelten sich jedoch nach und nach die Heischebräuche, bei denen Kinder in der Weihnachtszeit vom 6.12. bis zum 6.1. umherziehen und um Gaben bitten. Vor allem der Nikolausbrauch zum 6.12. ist wohl ein Relikt diese Festes, wenn auch an einem gänzlich anderen Termin. Heute noch aber werden Kindersegnungen am 28.12. vorgenommen.

In Spanien hingegen hat sich der alte Brauch als einer der lustigsten Weihnachtstraditionen erhalten. Am 28.12. werden Streiche gespielt und auf den Weihnachtsmärkten werden Scherzartikel wie Perücken, Zaubertinte und Juckpulver feil geboten. Auch die Zeitungen veröffentlichen an diesem Tag oft absichtlich irgendeinen Unsinn. Mancherorts werden den menschen kleine weiße Papiermännchen auf den Rücken geklebt, die “inocentada”, also “Unschuldige”, genannt werden. In Valencia regiert ein verrückter Bürgermeister an diesem Tag die Stadt und in Córdoba wird der Tanz der Verrückten aufgeführt, während in Alicante eine Schlacht aus Eiern, Mehl und Knallern veranstaltet wird. Als dies erinnert stark an die verrückten Tage der römischen Saturnalien – ein Hochfest für das unschuldige innere Kind in uns!

Wenn man Süßigkeiten angeboten bekommt, sollte man vorsichtig sein. Es könnte passieren, dass einem etwas Ekeliges kredenzt wird! Immerhin trat aus diesem Grund die Spanische Verfassung, die am 27. Dezember 1978 von König Juan Carlos ratifiziert wurde, nicht am 28. Dezember, sondern erst einen Tag später, am 29. Dezember 1978 in Kraft.

Die beiden Kinder gehören zum Giselabrunnen am Prinzregentenplatz, gleich gegenüber des Theaters. Der Brunnen wurde von Klaus Backmund 1978 gestaltet und steht steht vor dem Gebäude der ehemaligen Gisela-Versicherung. Der Bildhauer habe sich bei seinem Werk von den ins gegenüberliegende Prinzregentenbad ein und aus gehenden Kindern inspirieren lassen.

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