Was hast du vor?

Visionen können aus dem Nichts geboren werden, aber eben so schnell können sie wieder ins Nichts verschwinden. Den lieben langen Tag fantasieren und spintisieren wir vor uns hin, haben Ideen, entwickeln Vorschläge, malen uns Dinge aus – und vergessen alles wieder. Wie das Kommen und Gehen von Ebbe und Flut branden unsere Gedanken an die Gestade unserer Wirklichkeit und ziehen sich oft genug schnell wieder zurück, sodass wir sie kaum greifen können.

Die zehnte Raunacht besitzt eine ganz eigene Magie, die dem Drang unseres Denkens und Fühlens etwas entgegensetzt: die Macht der Ordnung und Struktur.

Wenn der Abend sich senkt und die zehnte Raunacht Einzug hält, können wir jetzt unter dem Eindruck des Alltäglichen unsere Notizen vom Vorabend hervorholen und sie unter dem Gesichtspunkt der Chance auf Verwirklichung noch einmal betrachten. Vielleicht legen wir uns eine Struktur zurecht, nach der wir die verschiedenen Ideen kategorisieren: Was lässt sich sofort umsetzen? Was bedarf noch einiger Zwischenschritte, scheint aber zum Greifen nahe? Was müssen wir auf die lange Bank schieben, und wenn ja wie lange? Und was ist in Wirklichkeit nur eine Illusion, ein Luftschloss – und wir sollten es besser als Inspiration betrachten, aber von unserer To-Do-Liste streichen?

Gehe dann ruhig noch einen Schritt weiter, durchforste die machbaren Ideen und schmiede aus ihnen echte Projekte – mit Zeitplan und Listen, in denen du zusammenfasst, was du noch benötigst, um die Vorhaben auch in die Tat umsetzen zu können.

Unseren Kentaur findest du auf dem Künstlerhaus in der Nähe des Stachus.

Die Kentauren

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Weitere Kentauren sind an einen Plätzen in München zu finden, zum Beispiel über dem Eingang des Marstall auf der Ostseite der Residenz.

Die Kentauren, Mischwesen mit Pferdeleib und menschlichem Oberkörper, gehören zu den Bildern der antiken Mythologie, die die Nachwelt am nachhaltigsten geprägt haben. In der Sage gibt es zwei Arten von Kentauren: die ungeschlachten, aggressiven und daher auch gefährlichen auf der einen, die klugen und liebenswürdigen auf der anderen Seite. Von den letzteren sind uns namentlich besonders zwei überliefert: der gastfreundliche Photos und der weise Heiler Chiron, der auch der Erzieher von Achilles und Herakles war. Die wüsten und wilden ihrer Art sind jedoch deutlich in der Überzahl – und mit ihnen war nicht zu spaßen. Ihrem Ursprung nach sind sie himmlische Wesen: Ixion wollte Hera, die Göttermutter, vergewaltigen, doch Zeit schob ihm eine Wolke unter, ein Trugbild namens Nephele. Aus dieser Verbindung ging Kentauros hervor, der wiederum nichts Besseres zu tun hatte, als sich mit thematischen Stuten zu paaren – und aus dieser Liaison gingen die Kentauren hervor.

Kentauren verkörpern das wilde, ungestüme und animalische Element in der Welt, aber auch das kraftvolle, tatkräftige, anpackende, zupackende. Sie sind reine Natur und folgen nur ihrer Natur. Und doch gibt es einige unter ihnen, die darüber hinaus ihre Triebhaftigkeit zügeln können und diese Urkraft in etwas ganz Besonderes verwandeln können – wie Chiron, der große Heiler. So ist die Geschichte der Kentauren auch die Geschichte von der Überwindung der Triebe durch die Gabe der Vernunft.

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